Meinungsmanipulation durch die Sprache – „Neusprech“

Meinungsmanipulation durch die Sprache – „Neusprech“

Einzelne Gruppen verfügen über die Macht, Worte und Begriffe zu prägen oder zu ächten und auf diese Weise ihre Ansichten bzw. Ideologien massenmedial durchzusetzen. Dies gilt gemeinhin als Merkmal einer Ideokratie. Immer wieder tauchen scheinbar aus dem Nichts Begrifflichkeiten auf, die dann von den Massenmedien übernommen und in den Köpfen der nicht kritisch mitdenkenden Menschen verankert werden. Meist geschieht dies im Zusammenhang mit der „Political Correctness“.

Es ensteht dadurch eine neue Zwangssprache, die nach den Vorgaben einer herrschenden Ideologie verändert wurde. Der Zwangscharakter ergibt sich aus dem Verbot, bestimmte Worte zu benutzen und dem strikten Gebot, andere Worte nur in bestimmter Bedeutung zu gebrauchen. Abweichungen werden entweder bestraft oder auf andere Art wie z.B. soziale Ausgrenzung sanktioniert.

Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.

Konfuzius (551-479 v.Chr.), chin. Philosoph

Ziel dieser Sprachveränderung ist es, das Denken in kontrollierbare Bahnen zu lenken und die kulturelle Identität zu verändern. Durch die Sprachregelungen wird es unmöglich, Teile der Wirklichkeit adäquat zu erfassen, die Irrtümer der herrschenden Ideologie aufzudecken und deren etwaige Widersprüche einer Bevölkerung mitzuteilen, die in einer falschen Sprache zu denken gelernt hat. Damit wird es kaum noch möglich, politischen Widerstand zu leisten. An einen Aufstand gegen die herrschende Macht kann begrifflich nicht mehr gedacht werden, weil das Wort „Aufstand“ als Gedankenverbrechen aus dem Gehirn gestrichen ist, und die herrschende Macht die Bedeutung von „das Gute an sich“ (alles andere ist daher Böse) angenommen hat. Die korrekte assoziative Verbindung zwischen Worten wird durch mediale Dauerberieselung nach Art einer Gehirnwäsche (Mind Control) hergestellt.

Orwell unterteilte „Neusprech“ in folgende Bereiche:

  1. „Gutdenker“, oder „Gutmensch“, ist eine Person, die sich im „Neusprech“ frei bewegen kann, ohne Gefahr zu laufen, das gedankliche Netz zu verlassen. Unfähigkeit zur Kritik ist mit einem Gefühl der moralischen Überlegenheit gepaart. Diese Personen werden vom System meist bevorzugt behandelt und in Positionen gehoben in denen sie die neue Denkweise andere weitergeben (Medien, Schulen, Universitäten,…). Der „Gutmensch“ ist im Grunde eine Person welche die staatlich ideologische Gehirnwäsche am besten angenommen hat.
  2. „Doppeldenk“ (engl. doublethink) ist die Fähigkeit, Widersprüche nicht als Widersprüche wahrzunehmen, etwa bei einer Unterwerfung von Befreiung zu sprechen.
  3. „Umkehrdenk“ ist die Verwendung von positiven Begriffen für negative Sachverhalte: „Minuswachstum“ für Niedergang, „demographischer Wandel“ für Schrumpfung der Stammbevölkerung, „positive Diskriminierung“ für Schlechterstellung für das Gegensätzliche. Dies funktioniert natürlich auch in die entgegengesetzte Richtung: Aus einer schwangeren Frau wird eine „Gebärmaschine“, aus einem Patriot wird ein „Nazi“,…
  4. „Quaksprech“ (engl. duckspeak) ist das Absondern von allgemein anerkannten Wortschablonen, die ohne jedes Denken vom Sprechorgan produziert werden, vergleichbar mit dem Schnattern bei Enten. Quaksprech ist besonders bei Regierenden ein vorhersagbares oder inhaltsloses Gerede, das zur Beruhigung der Artgenossen dient.
  5. „Freiheit“ bedeutet, sich zwischen einer Vielzahl von Produkten entscheiden zu können, die auf dem Markt sind. „Politische Freiheit“ heißt, nur zwischen den zugelassenen (Zensur in allen Bereichen) Produkten des „Großen Bruders“ zu wählen. Die Fähigkeit des freien Denkens ist daher unerwünscht und wird negativ bewertet.

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